Herber Rückschlag für den Jazz
15.12.2011
Der Jazzclub im Stellwerk muss zum Jahresende schließen. Der Club, der mit großem ehrenamtlichem Engagement aufgebaut und betrieben wurde, verleiht Hamburgs Jazzszene deutschlandweite Ausstrahlung. Der Senat verweigerte dem Stellwerk nicht nur Geld für dringend notwendige Stühle, Tische und Renovierungsarbeiten, sondern auch für zusätzliche Förderung.
Der Jazzclub im Stellwerk muss zum Jahresende schließen. Der Club, der mit großem ehrenamtlichem Engagement aufgebaut und betrieben wurde, verleiht Hamburgs Jazzszene deutschlandweite Ausstrahlung. Der Senat verweigerte dem Stellwerk nicht nur Geld für dringend notwendige Stühle, Tische und Renovierungsarbeiten, sondern auch für zusätzliche Förderung.
Christa Goetsch, kulturpolitische Sprecherin der GAL-Bürgerschaftsfraktion, erklärt dazu:
„Der Jazzclub im Stellwerk ist das Aushängeschild für zeitgenössischen Jazz in Hamburg. Es ist unbegreiflich, wie der Senat diesen Ort nicht erhalten kann. Die Schließung ist ein herber Rückschlag für den Jazz in Hamburg. Das steht einer Musikstadt schlecht zu Gesicht.
Die Schließung des Clubs zeigt, dass die Maßnahmen, die die SPD jetzt getroffen hat, zu kurz greifen. Die zusätzlichen 15.000 Euro zur Förderung von kleineren Jazzreihen bieten keine Perspektiven für die Clubs. Bei über 30 Veranstaltungsorten für Jazz in Hamburg bleiben rechnerisch weniger als 500 Euro pro Spielstätte.“
3 Kommentare

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Gast meint:
07.01.2012 - 01:15
Liebe Christa Goetsch, lieber Heiko,
dass das Stellwerk zu macht ist mehr als bedauerlich, zumal gerade hier ein wirklich spannendes und vielfältiges Programm stattfand. Und man muss einmal mehr sagen, dass es in der Kultur eben nicht immer nur darum gehen kann, dass sich Dinge rechnen, oder dass erst eine angemessene Publikumszahl eine Existenz rechtfertigt, sondern dass es um die Inhalte geht, die dort stattfinden.
Gerade Jazz als extrem zeitgenössische und innovative Musik, wird nie massentauglich werden, darüber können und sollen auch Festivals wie ELBJAZZ nicht hinwegtäuschen. Man kann Jazz durch das Live-Erleben zugänglicher machen und anders vermitteln als über Tonträger und darum geht es uns Festivals, wie auch den Clubs. Wir alle verfolgen gemeinsame Ziele, auch wenn das in der Öffentlichkeit (Presse) gern gegeneinander ausgespielt wird- so schreibt gerade heute wieder Tobias Richtsteig in der TAZ zur Schließung des Stellwerks vom ELBJAZZ der klotzt statt zu kleckern und von Geldern, die nur in die Festivals und nicht in die Clubs fließen. Diese Darstellung ist einfach nicht korrekt und schafft nur Gräben, die wir seid geraumer Zeit gemeinsam zu überwinden versuchen.
Heikos Rücktritt ist eine bedauernswerte Konsequenz aus einer Politik, die auch gern das eine gegen das andere ausspielt und weder eine bestimmte Strategie noch Zielsetzung verfolgt. Anders kann man sich das am Beispiel der Jazzmusik in Hamburg nicht erklären.
In einer Stadt wie Hamburg muss es, und nicht nur im Jazz, immer diese Dualität zwischen dem, was im Verborgenen blüht und dem, was die breite Öffentlichkeit sucht geben. Denn Kunst entsteht häufig nur dort, wo kein Scheinwerfer drauf gerichtet ist, aber sie wird, was sie ist, im Dialog mit dem Gegenüber.
Liebe Grüße,
Tina Heine,
ELBJAZZ Festival
Gast meint:
16.12.2011 - 08:07
Vielen Dank, liebe GAL, dass Ihr Euch so solidarisch zeigt.
Aber Hand auf´s Herz: als es die schwarz-grüne Koalition gab, war es auch nicht anders. Es allein auf die SPD zu schieben, wäre zu kurz gegriffen.
In Hamburg wird Jazz seit langer Zeit systematisch "kurz" gehalten. Und die parteipolitischen Geplänkel scheinen es eher jenen einfacher zu machen, die das seit Jahren praktizieren.
Senatorin von Welck hatte durchaus Ideen für den Jazz, wurde aber schlichtweg schlecht beraten. Und so scheint es jetzt auch bei Frau Kisseler zu sei, die selbst in ihrer Historie am Aufbau der Düsseldorfer Jazzschmiede maßgeblich beteiligt war.
Jazz braucht nicht viel und vieles braucht nicht mal Geld. Aber hier wird die Jazz-Szene weder ernst genommen noch einfach leben gelassen. Für die Größe der Stadt und angesichts dessen, dass Jazz sich bislang in jeder Metropole seine Nischen gesucht hat, ein etwas denkwürdiger Fall.
Es wäre schön, wenn man hier parteiübergreifend auf Spurensuche ginge.
Ansonsten ist es wie es ist: das (Kultur-)Leben funktioniert nicht wie ein Antragsforumular. Seit Jahren wird viel über Jaz geredet. Passiert ist nichts. Aber irgendwann muß man Entscheidungen treffen. Wir Stellwerker haben sie eben jetzt - vor einer möglichen Mietvertragsverlängerung getroffen. Denn auf Hoffnung allein zu zählen, ist kaufmännischer Unsinn. Und so blöd sind wir eben doch nicht.
Wir hoffen, dass wir nicht erst der Anfang sind, was zu befürchten ist.
Im Name des Jazzclub im Stellwerk-Teams
Heiko Langanke
Christa Goetsch meint:
19.12.2011 - 01:39
Lieber Heiko Langanke,
vielen Dank für Ihre wichtigen Anregungen. Natürlich wollen wir uns für den Jazz in Hamburg einsetzen - gern auch parteiübergreifend. Und es hat sich ja auch etwas in den letzten Jahren getan, nur eben leider zu wenig. Die Mühlen mahlen leider immer etwas langsam. Immerhin haben wir in der letzten Legislatur die Clubstiftung an den Start bringen können und auch die Übernahme der GEMA-Gebühren bewegt.
Wir hoffen sehr, dass Sie der Stadt als Initiator und Treiber des Jazz erhalten bleiben und wir Sie ggf. für Informationen zur Jazzszene anmorsen können.
Herzliche Grüße,
Christa Goetsch